Was ist Hyperakusis? – Wenn Alltagsgeräusche zur Qual werden

 Was ist Hyperakusis? – Wenn Alltagsgeräusche zur Qual werden

Berlin, 12. September 2024 – Für die meisten Menschen sind Geräusche wie das Rauschen des Windes, das Klicken von Tastaturen oder das Summen eines Kühlschranks kaum wahrnehmbar und gehören zum Alltag. Doch für Menschen, die an Hyperakusis leiden, können solche gewöhnlichen Geräusche schmerzhaft, störend und sogar unerträglich sein. Hyperakusis ist eine seltene und wenig bekannte Hörstörung, bei der Betroffene Geräusche als unangenehm laut oder schmerzhaft empfinden – selbst dann, wenn diese für andere völlig normal erscheinen.

Was genau ist Hyperakusis?

Hyperakusis beschreibt eine Überempfindlichkeit gegenüber Geräuschen. Betroffene reagieren auf alltägliche Umgebungsgeräusche wie das Klappern von Geschirr, das Lachen von Menschen oder den Straßenverkehr mit Stress, Schmerz oder einem starken Unwohlsein. Diese Überempfindlichkeit tritt häufig bei Geräuschen auf, die von der Lautstärke her nicht als problematisch gelten und für das menschliche Gehör normalerweise gut tolerierbar sind.

Ursachen der Hyperakusis

Die genauen Ursachen für Hyperakusis sind bis heute nicht vollständig geklärt. Experten vermuten jedoch, dass es sich um eine Fehlverarbeitung von akustischen Reizen im Gehirn handelt. Das Hörsystem reagiert übermäßig auf Geräusche, die normalerweise keinen Alarmzustand auslösen sollten. Mögliche Auslöser für Hyperakusis können sein:

  • Lärmschäden: Langfristige Lärmbelastung, z. B. durch laute Musik oder Maschinenlärm, kann das Gehör schädigen und zu Hyperakusis führen.
  • Erkrankungen des Gehörs: Ohrenerkrankungen wie Tinnitus, Morbus Menière oder Hörsturz sind oft mit Hyperakusis verbunden.
  • Neurologische und psychische Erkrankungen: Traumatische Erlebnisse, Angststörungen oder Depressionen stehen ebenfalls im Verdacht, Hyperakusis zu begünstigen.
  • Migräne: Menschen, die an Migräne leiden, berichten häufiger von Geräuschempfindlichkeit.

Wie fühlt sich Hyperakusis an?

Für Menschen mit Hyperakusis kann der Alltag zur echten Belastungsprobe werden. Geräusche, die andere kaum wahrnehmen, führen bei ihnen zu körperlichen Reaktionen wie Schmerzen in den Ohren, Kopfschmerzen, Schwindel oder Übelkeit. Viele Betroffene meiden laute Umgebungen, ziehen sich sozial zurück und entwickeln mitunter auch Angststörungen, weil sie ständig fürchten, unerträglichen Geräuschen ausgesetzt zu sein. Diese Überempfindlichkeit kann das Leben stark einschränken und die Lebensqualität erheblich mindern.

Diagnose und Behandlung

Die Diagnose einer Hyperakusis erfolgt meist durch spezialisierte HNO-Ärzte oder Audiologen. Sie führen verschiedene Hörtests durch, um die Empfindlichkeit gegenüber Geräuschen zu messen und andere Hörstörungen auszuschließen. Oftmals ist die Diagnose jedoch komplex, da es keine festgelegte Norm gibt, wie empfindlich das Gehör auf Geräusche reagieren sollte.

Behandelt wird Hyperakusis in erster Linie durch sogenannte "Geräuschtherapien". Hierbei werden Betroffene schrittweise wieder an normale Geräusche gewöhnt, um die Toleranz des Gehörs zu erhöhen. Ergänzend können Entspannungsübungen, Psychotherapie oder Medikamente eingesetzt werden, um die stressbedingten Symptome zu lindern.

Leben mit Hyperakusis

Obwohl Hyperakusis derzeit nicht heilbar ist, gibt es viele Wege, den Umgang mit der Störung zu erleichtern. Neben den therapeutischen Ansätzen spielt auch das Verständnis des sozialen Umfelds eine große Rolle. Freunde, Familie und Kollegen sollten informiert werden, um Rücksicht auf die besonderen Bedürfnisse der Betroffenen zu nehmen.

Für die Betroffenen ist es wichtig, sich nicht sozial zu isolieren und Unterstützung zu suchen – sei es durch Selbsthilfegruppen, spezialisierte Ärzte oder Psychotherapeuten. Mit der richtigen Betreuung und Geduld ist es möglich, das Leben trotz Hyperakusis wieder lebenswerter zu gestalten.


Hyperakusis mag eine seltene Störung sein, doch für die Betroffenen ist sie allgegenwärtig. Geräusche, die für andere keine Bedeutung haben, sind für sie eine tägliche Herausforderung. Umso wichtiger ist es, dieses Phänomen bekannter zu machen und den Betroffenen Unterstützung zu bieten.

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